Jüdische Gemeide auf Djerba

Man berichtet uns von zwei alte Siedlungen namens Hara Kebira und Hara Sghira, die beide südlich von Houmt Souk, die durch ihre Namen – die so viel bedeuten wie großes und kleines Ghetto – noch heute zum Nachdenken gekennzeichnet sind.

Die jüdische Gemeinde besteht hier seit über 1900 Jahren, auch wenn die Zahl der Juden ständig abnimmt. Sollten, was nicht mehr außerhalb der Wahrscheinlichkeit liegt, Djerbas Juden eines Tages aussterben, dann obliegt dem letzten Rabbi die Pflicht, die letzte Synagoge zu verschließen und den Schlüssel in den Himmel zu schleudern. 

Juden und Moslems lebten jeher auf Djerba friedlich beisammen – hier zeigt sich, dass das möglich ist. Die verschiedenen kulturellen Einflüsse haben mit Sicherheit auch dazu beigetragen, dass wir unseren farbenfrohe Lieblingstücher nach der friedlichen und facettenreichen tunesischen Insel benannt haben.

Erriadh

Erriadh ist heute vor allem kreativen und Reiseliebhabern vor allem auf Grund seiner Grafitti-Kunst in Djerbahood ein Begriff.

Ursprünglich wurde das kleine Örtchen von jüdischen Flüchtlingen gegründet, die nach der Zerstörung von Salomos Tempel in Jerusalem durch die Babylonier, bereits 586 vor Christus nach Djerba kamen. Später folgten weitere jüdische Flüchtlinge aus Spanien und Jerusalem. Früher lebten über 100.000 Juden in Tunesien. Nach der Gründung des Staats Israel emigrierten die meisten. Heute leben im Land nur noch etwa 1.500 Juden, die meisten davon auf Djerba in Hara Kebira und Hara Sghira nahe der Synagoge. 

La-Ghriba-Synagoge 

Die La-Ghriba-Synagoge, einst ältestes jüdisches Gebetshaus in ganz Nordafrika gilt als eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Insel.

Ghriba heißt auf Arabisch übrigens „wunderbar“ oder „fremd“ und spiegelt die besondere Bedeutung der Synagoge in den jüdischen Traditionen von Tunesien wider. Sie ist die bekannteste von mehreren nordafrikanischen Synagogen, die aber alle denselben Namen haben.

Diese steht Besuchern – seit dem Anschlag im April 2002 streng bewacht – auf uraltem Fundament offen. 

Das Gotteshaus besteht zwar nur aus zwei fantastischen, gut erhaltenen großen Räumen. Die Architektur ist bemerkenswert und prunkvolle blau-goldene Ornamente schmücken die hohen Gewölbedecken während das Sonnenlicht durch die bunten Bleiglasfenster einfällt. An diesem Pilgerort könnt ihr die jüdische Geschichte des Ortes erkunden: Die wichtigsten Schätze des heiligen Ortes sind ein Stein, der aus dem Salomo-Tempel in Jerusalem stammen soll sowie eine Thora-Rolle, die zu den ältesten der Welt zählt. Der kleine Gebetsraum ist wunderschön gestaltet. Mit seinem umlaufenden Bogengang, den mit floralen Elementen bemalten Keramik-Kacheln, hat der Raum etwas Magisches. Um den hölzernen Toraschrein stehen Holzbänke. Vieles ist im für Tunesien typischen hellen blau gehalten.

Wallfahrt zur Synagoge

Die Synagoge ist auch Mittelpunkt der jährlichen jüdischen Pilgerfahrt, die immer am 33. Tag zwischen den Festen Passah und Schawuot stattfindet. Die gegenüberliegende Karawanserei bietet dann vielen Angereisten eine Herberge.

Der Ursprung des Festes geht u.a. auf die Mystiklehre der Kabbala zurück. „Lag BaOmer ist ein Freudenfest“, das eine Trauerzeit am 33. Tag unterbricht. Der Name bedeutet „33. im Omer“. Dabei wird nicht das hebräische Wort für 33 verwendet, sondern die Kombination der Buchstaben, die auch für Zahlen stehen: Lamed (30) und Gimel (3), also abgekürzt „Lag“. Nach dem jüdischen Kalender ist es der 18. Tag des Monats Ijar. Die sieben Wochen zwischen Pessach und Schawuot gelten als Trauerzeit. Juden dürfen in dieser Zeit weder Hochzeiten feiern noch sich nicht die Haare schneiden. Der 33. Tag der Omer-Zeit unterbricht jedoch die Trauerwochen, weshalb an diesem besonderen und freudenvollem Datum viele Juden heiraten. 

Synagoge bedeutet auf jiddisch „Schule“, somit ist dieser Ort auch ein Gemeinschaftsraum. Die Wallfahrt zur Synagoge ist Volksfest, Heiratsmarkt, Familientreffen von Juden, die extra aus dem Ausland anreisen – ganz gleich ob aus Frankreich, Israel, Kanada, England und Belgien. 

Die Frauen halten lautstark Schwätzchen, ob jung oder alt, aus den Dörfern oder aus der Ferne angereist, alle sind top gestylt wie aus dem Ei gepellt; ihr Köpfe zieren große Hüte, Perücken, lässig gebundenen Kopftücher oder auf moderne Art geknotete Turbane – das ergibt ein mondänes Bild wie aus einer Modezeitschrift der 1930er Jahre. Während der Wallfahrt ist es Brauch, dass Frauen gekochte Eier mit ihren tiefsten Wünschen beschriften und bemalen – auf lateinisch, arabisch oder hebräisch, für Gesundheit, bei Kinderwunsch, für sich, die eigene Familie oder Nachbarn daheim. Die Eier werden in ein Gewölbe hinter eine Holztür in der Synagoge gelegt, bis sie am Folgetag wieder herausgeholt und gegessen werden, damit der Wunsch in Erfüllung geht. 

La Ghriba bringt Glück. Kurz vor Sonnenuntergang naht als Höhepunkt der Feierlichkeiten: Es wird gemeinsam gefeiert, getanzt, gegessen und der berühmte Feigenschnapses Boukha getrunken. Ein Lagerfeuer an diesem Fest zu entzünden ist ebenso Brauch. Die Prozession bestätigt erneut: dieser Tag ist ein Fest aller Sinne.

Habt ihr die Räumlichkeiten der El Ghriba Synagoge auch schon einen Besuch abgestattet? Oder seid ihr im Rahmen des Lag BaOmer-Festes hergepilgert? Habt ihr weitere Tipps zu einem Besuch, die ihr mit uns teilen wollt? Dann schreibt uns!

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