Sidi Bou Saïd für alle Sinne

Wir möchten ein paar Stunden raus aus dem Trubel und machen uns Nachmittags auf den Weg nach Sidi Bou Saïd. Wir steigen aus dem Auto und schon dringt uns der tolle Duft von frischem Jasmin in die Nase. Schnell eine handvoll an der nächsten Hecke gepflückt und vorsichtig zwischen den Fingern verrieben, beginnt unser gemütlicher Spaziergang. Am schönsten ist es hier oben nach Sonnenuntergang, wenn die Touristen wieder an ihre Badeorte zurückgekehrt und die Gassen etwas leerer sind. Dann treffen sich hier die Einheimischen – Freunde, Familie und Verliebte. Dann, fühlt es sich so an wie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts

Künstler vor Ort

Der tunesische Frühling, die Jahreszeit des Lichtes und der grünen Natur verzauberte schon den Künstler Paul Klee während seiner berühmten Tunis-Reise. Begleitet von August Macke und Louis Moilliet ließen sie sich hier, auf ihrer knapp zwei Wochen langen Exkursion, im April 1914 zu etliche Arbeiten inspirieren, die heute in bedeutenden Museen und Privatsammlungen beheimatet sind.

Klee, Macke und Moilliet reisten mit dem Schiff aus Marseille zum Tor Afrikas. Laut seiner Notizen bemerkte Klee beim Anblick des hoch oben thronenden Dorfes bereits „die Leibhaftigkeit des Märchens”. Die drei Künstler bereisten erst Sidi Bou Saïd und Tunis, dann Hammamet und Kairouan. Bei ihrer ersten Station verliebte sich das Trio in die einzigartige Idylle, die gepflasterten steilen Gassen, die weiß getünchten Häuser, mit ihren blau gestrichenen Türen, Fensterläden sowie Balkone, und war fasziniert vom melodischen Ruf des Muezzins zum Gebet

Eines der berühmtesten Aquarelle August Mackes ist der „Blick auf eine Moschee“. Mit dem Pinsel wollte der Künstler die Stimmung einfangen und mit der Wahl seiner Farben auch den Klang der Stimme des Muezzins für die Ewigkeit festhalten

Weiße Stufen führen empor zu einem schwarz-weiß eingefassten Torbogen, unter einem türkisblauen Sonnendach. Im Hintergrund steht prägnant das Minarett des Gotteshauses. Seit den fünfziger Jahren befindet sich hier das „Café des Nattes“. 

Sidi Bou Saïd gilt als Künstlerdorf. Neben Klee, Macke und Moilliet ließen sich viele Kreative hier inspirieren, wurden teils in dem maurischen Bilderbuch-Dorf sesshaft, eröffneten an diesem Ort ihre Galerien. Auch wir gehen hier ab und an auf Entdeckungstour und überlegen, welche freie Wand wir daheim schon bald mit einem neuen Bild verschönern oder wem wir eine Freude bereiten können.

In einem seiner Tagebücher notierte Klee: „Die Stadt liegt so schön da oben, und blickt weit ins Meer“. An dem Panoramablick über den Golf von Tunis hat sich nichts geändert. Am entspanntesten genießt man diese Aussicht ganz sicher vom Café des Délices. Terrassenförmig ist das Café an den Berg gebaut. 

Mechmoum – duftendes Jasminsträußchen

Kaum nippen wir an unserem frisch gepressten Pfirsichsaft und süßen Minztee, da taucht schon ein Mechmoun-Händler auf: Ein älterer Herr, der auf einem geflochtenen, runden Tablett kleine duftende Bündel sowie fein geknotete Halsketten aus Jasminblüten anbietet. Die Haut von der Sonne gegerbt, Chechia – das typische, rote Hütchen mit schwarzer Kordel dem Kopf, ein Auge erblindet und ein herzerwärmendes Lächeln, bei dem er nur noch wenige Zähne entblößt. Vermutlich würde er sich mit ein paar Millim zufrieden geben. Wir kaufen dem liebenswerten Mann ein Sträußchen und eine Kette ab, die uns mit ihrem typischen Aroma erfreuen. Dieser Duft scheint in Tunesien allgegenwärtig zu sein. 

In Tunesien ist Jasmin untrennbar mit dem Sommer verbunden. Für Hochzeitsfeiern, unterwegs mit Freunden oder der Familie oder eben bei einen Tee in Sidi Bou Saïd – das traditionelle Jasminsträußchen (Mechmoum) ist nicht nur ein Touristen-Souvenir, sondern wird von jungen und alten Einheimischen gleichermaßen und ständig gekauft, weil es Glück bringen soll. Es ist ein kleines Geschenk, ein Symbol für Freundschaft und es ist üblich, es am Knopfloch oder am Ohr zu tragen. Trägt Mann es hinter dem rechten Ohr, bedeutet es, dass er verheiratet ist. Mit dem Sträußchen hinter dem linken Ohr, ist noch zu haben. Frauen legen sich gerne eine frische Kette an den Hals. Am Ende des Abends klemmen wir das Sträußchen in die Lüftungsschlitze der Klimaanlage im Auto und fahren zurück nach Tunis

Wir möchten ein paar Stunden raus aus dem Trubel und machen uns Nachmittags auf den Weg nach Sidi Bou Saïd. Wir steigen aus dem Auto und schon dringt uns der tolle Duft von frischem Jasmin in die Nase. Schnell eine handvoll an der nächsten Hecke gepflückt und vorsichtig zwischen den Fingern verrieben, beginnt unser gemütlicher Spaziergang. Am schönsten ist es hier oben nach Sonnenuntergang, wenn die Touristen wieder an ihre Badeorte zurückgekehrt und die Gassen etwas leerer sind. Dann treffen sich hier die Einheimischen – Freunde, Familie und Verliebte. Dann, fühlt es sich so an wie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts.

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