Kerkennah’s Tintenfische

Wer mit Bedacht handelt, erreicht, was er erstrebt.

Arabisches Sprichwort

Wir freuen uns auf 2 Tage Auszeit. Kerkennah ist ein fast unberührtes Reiseziel, ein authentischer Ruhepol, der mit der Fähre von Sfax aus erreichbar ist und herrliche naturbelassene Strände und eine Atmosphäre bietet, die stehengeblieben zu sein scheint. Das Meer um Kerkennah ist besonders reich an Krustentieren und Garnelen, Tintenfischen, Muscheln sowie Schwämmen. Das türkisblaue Meer schimmert in tausend Nuancen im Sonnenuntergang, die Palmen bewegen sich sanft in der Meeresbrise, die sandigen Spuren verlaufen im Zick-Zack an den menschenleeren Stränden. Hier genießen wir die für uns Stadtmenschen außergewöhnliche Ruhe und die schlichte, faszinierende Schönheit der natürlichen Landschaften.

Zu Kerkennah zählen die zwei großen Inseln Gharbi und Chergui, die durch eine Brücke aus der Römerzeit verbunden sind, sowie fünf weitere kleine, teils unbewohnte Inseln. Die Inseln liegen recht tief, so dass die Brücke manchmal überflutet ist. Bei Ebbe lassen sich dafür die kleinen Inselchen teils zu Fuß erreichen. Die Fähre pendelt für 7 Dinar zwischen Sfax auf dem Festland und dem Hafenörtchen Port de Sidi Youssef. 20 km entfernt im Inselinneren liegt die Insel-Hauptstadt Remla mit allen notwendigen Dienstleistungen. Das Dörfchen verfügt über eine kleine Post, zwei Apotheken, eine Tankstelle, ein Hotel sowie ein Restaurant. Zu sehen gibts hier sonst nichts. 

Kerkennah ist ein sehr friedlicher Ort mit eigener Kultur, der hauptsächlich von Fischern bewohnt wird. Wir wurden hierher eingeladen und freuen uns fernab vom Alltag auf frisch gefangene Meeresfrüchte zum Abendessen bei Onkel Hedi. 

„Für viele Bewohner ist das Leben auf den Kerkennah-Inseln mittlerweile mühsam und langweilig geworden“, erzählt er. Insbesondere die junge Generation der 15.000 Einwohner verlässt die karge Heimat, um sich auf dem Festland eine Existenz aufzubauen. Viehzucht oder Ackerbau gibt es kaum, die größtenteils von Lagunen zerschnittenen Inseln sind wüstenhaft, die meisten Lebensmittel werden importiert. 

Während der Sommermonate steigt die Bevölkerungszahl aber kurzzeitig durch heimkehrende Kerkennis, die sonst in anderen Teilen Tunesiens oder im Ausland leben und Touristen, die wie wir eigentlich mal eine kurze Auszeit suchen, auf bis zu das Zehnfache an. Von Sidi Youssef aus stechen die meisten einheimischen Fischer für ihre Arbeit in See. Für Touristen werden Tagesausflüge angeboten, zu denen eine Fahrt auf hoher See, gemeinsamer Fischfang, Baden und Grillen gehört. Ansonsten ist Kerkennah relativ verlassen. 

Aber Tintenfische gibt es wie schon seit Jahrhunderten genug. Zum Auftakt der Angelsaison findet ein dreitägiges Oktopus Fest statt. Hier im Golf von Gabès an der tunesischen Ostküste werden übrigens rund 80 Prozent des gesamten landesweiten Tintenfischs gefangen und das nur während der Saison von Oktober bis April. Am nächsten Morgen wird uns Hedi mitnehmen, um uns zu zeigen, wie er und zuvor sein Vater und auch sein Großvater Tintenfische gefangen haben.

Gelassen und noch etwas müde geht es an Bord des Bootes mit flachem Boden und einem Dreisegel zu, das sanft über das glatte Meer gleitet. Ein herrliches Erlebnis. Umso trauriger ist festzustellen, dass mit der Zeit immer mehr Motorschiffe allmählich die traditionellen Segelschiffe ablösen, die seit Generationen sogar zum Transport von Handelswaren und für die Schwammfischerei genutzt wurden.

Seit der Römerzeit sind Tonamphoren eine effektive Fangmethode. Hunderte Tongefäße, sogenannte „carour“ werden an einer langen Schnur aneinander geknotet und dann ins Wasser gelassen. Die Tintenfische, selbst Räuber der Meere, verwechseln die dunklen Gefäße mit natürlichen, kleinen Höhlen, in die sie sich gern zurückziehen, um ihrer Beute aufzulauern. Fischer, so wie Onkel Hedi brauchen die „carour“ morgens so nur noch an die Oberfläche zu ziehen. 

Um auch die Widerspenstigsten herauszuholen, verwenden die Fischer reichlich Salz. Der Tintenfisch wird anschließend geklopft, gereinigt und getrocknet. Die Tentakel werden sorgfältig ausgespannt, den ganzen Winter über aufbewahrt und erst verspeist, wenn sie völlig ausgetrocknet sind. Das hört sich im ersten Momente befremdlich an, aber die Kerkennis verstehen sich wie niemand anderes auf die Zubereitung von Fischgerichten wie Melthouth, Tchich oder Ojja mit Tintenfisch.

Nach getaner Arbeit nimmt uns Onkel Hedi mit an „seinen“ Strand und verspricht eine Überraschung: Sidi Fankhal ist sicher einer der schönsten Strände auf der Insel und liegt am Ende einer ausgedehnten, vertrockneten Landzunge. Durch die Hitzewellen ergibt sich eine ungewöhnliche optische Täuschung, bei der man das Gefühl hat auf allen Seiten von Meerwasser umgeben zu sein. Wir lassen den Tag ausklingen, reden über Gott und die Welt, genießen einfach nur das Hier und Jetzt und haben irgendwie das Gefühl, allein auf der Welt zu sein. 

Unser Fazit: Die Attraktion der Kerkennah-Inseln ist der Mangel an Attraktionen, ein langsames Lebenstempo, wenig Verkehr und sehr gastfreundliche Einheimische, die zu einer guten Erholung beitragen.

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