Seife selber machen

In Seifenblasen spiegelt sich das Glück!

Beim Gedanken, Seife selbst zu machen, meinen viele, es genügt Rohseife einzuschmelzen, mit ätherischen Ölen, Duftstoffe, Farben und Blütenblättern oder Kräutern zu mischen und fest werden zu lassen. Als Grundlage für diese Seife nutzen die meisten ein Stück Kernseife oder auch Reststücke von anderen Seifen. Kernseife trocknet die Haut aber stark aus. Das mag ein nettes Mitbringsel sein und sich hübsch auf der Seifenablage am Waschbecken machen, aber diese Methode hat recht wenig mit einer richtig selbstgemachten Seife zu tun. 

Meines Erachtens sollte Seife, die auf Kernseife basiert nur zum Putzen oder Vorbehandeln stark verschmutzter Wäsche genutzt werden. An meine Haut möchte ich keine Kernseife lassen. 

In konventioneller, gekaufter Seife können Stoffe stecken, die Allergien auslösen. Nicht selten ist sie in Plastik eingewickelt und dementsprechend nicht nachhaltig. Mein Ziel ist es, genau zu wissen, was in meiner Seife steckt und in der Körperpflege gänzlich auf tierische und chemische Zusätze sowie Mikroplastik verzichten. 

Aus diesem Grund habe ich mich mit dem Seifensieden beschäftigt und schnell Lieblingsrezepte entwickelt. Besonders gerne schaue ich mich auf den Märkten in Tunis um. Hier preisen die Händler tolle natürliche Produkte zur Reinigung und Pflege an, die schon seit Jahrtausenden verwendet werden und das ein oder andere Schönheitsgeheimnis tunesischer Frauen sind. 

Wenn du hauptsächlich Seife aus Ölen herstellst, bleiben einige unverseifbare Fette enthalten, die sie besonders hautfreundlich machen. Dazu später mehr. Du kannst handgemachte Seife vollkommen auf deine Bedürfnisse abstimmen – von der mild sanften Seife bis hin zur Naturseife mit hoher Reinigungskraft oder mit bestimmten Zusätzen und ätherischen Ölen, gegen Problemhaut. Abgesehen davon sind Naturseifen biologisch abbaubar.

Seife sieden ist kreativ und es gibt zig Varianten, die du ausprobieren kannst. Ganz gleich, welchen Herstellungsprozess wählst, wenn du deine selbstgemachte Seife verschenken möchtest, kannst du sie einfach mit einem Stück Paketband oder Bast umwickeln und mit einem Kräuterzweig oder einer getrockneten Zitronenscheibe dekorieren.

So stellst du deine natürliche Seife selbst her 

Während unser Alltag schon mal etwas durcheinander geraten kann, man oft abgelenkt wird, 1.000 Sachen gleichzeitig im Kopf hat und der nächste Termin schon wartet, ist das Seifensieden wirklich eine entspannende Beschäftigung. Das konzentrierte Zubereiten ohne jegliche Ablenkung stellt für mich tatsächlich eine Art Meditation dar. Ein absolut beruhigender Prozess, denn du fokussierst dich wirklich nur auf eine Sache.

Starterpack – Liste aller Utensilien 

Um Seife selbst zu machen benötigst du neben den Grundzutaten vor allem Schutzkleidung und Utensilien, die du ausschließlich für die Herstellung deiner Seifen verwendest und separat, fernab deiner normalen Küchenutensilien aufbewahrst.

Bevor du mit der Seifenproduktion beginnst, sei dir bewusst, dass gutes Equipment unerlässlich ist und ins Geld geht. Besorge dir im Vorfeld folgende Accessoires:

  • Schutzbrille 
  • Atemschutz 
  • Kleidung mit langen Ärmeln 
  • Zeitungspapier zum Unterlegen und Papierrolle
  • Frischhaltefolie und alte Handtücher
  • Großer Messbecher zum Anrühren des Seifenleims
  • Messbecher zum Abwiegen der Öle
  • Hitzebeständiger Messbecher aus Glas
  • Exakte, grammgenaue Küchenwaage 
  • Plastiklöffel mit langem Stiel zum Dosieren des NaOH
  • Langstieliger Rühr- bzw. Kochlöffel aus Plastik oder Silikon
  • Engmaschiges Plastiksieb
  • Säurebeständige Handschuhe (Einmalhandschuhe reichen nicht aus, falls du mit der Lauge in Berührung kommst)
  • Pürierstab
  • Thermometer 
  • Topf zum Einschmelzen und Erhitzen der Fette und Öle
  • Silikonformen
  • Feste Arbeitsfläche
  • Essig oder Zitronensäure für Notfälle
  • Destilliertes Wasser
  • NaOH (Natriumhydroxid oder Ätznatron) in Granulatform

Wenn man sich doof dabei vorkommt, sollte man während des gesamten Herstellungsprozesses Schutzbrille, Handschuhe und Atemschutz tragen. 

Für den sicheren Umgang mit Rohstoffen und eine unfallfreie Verarbeitung der Seife bist du ausdrücklich selbst verantwortlich. Auch wenn ich hier inspirierende Rezeptvorschläge und Anleitungen nach bestem Wissen und Gewissen dokumentiere und dir zur Verfügung stelle, übernehme ich keine Haftung. Insbesondere die Mengenangaben von NaOH müssen sicherheitshalber unbedingt immer von dir nachgerechnet werden! Im Internet findest du Seifenrechner. Ich nutze am liebsten diesen hier. Den Grad der Überfettung solltest du auf deinen Hauttyp individuell errechnen.

Achtung – Chemische Reaktion

Bei der richtigen Herstellung von Seife hantiert man mit Natriumhydroxid/NaOH, das bei fahrlässiger Handhabung schwere Verätzungen der Haut, Augenschäden und Irritationen der Atemwege auslösen kann. Dasselbe gilt auch für die Natronlauge und den durch Hinzufügen von Öl entstehenden Seifenleim. 

Bei der Produktion von hausgemachter Seife sind einige Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Grundsätzlich gilt: nimm dir Zeit, bereite alles gut vor, schalte das Handy stumm, lass dich nicht ablenken und sperre notfalls Haustiere, Kinder und den Ehemann aus 😉 

Für das Anrühren der Lauge, solltest du NaOH immer langsam in kalte Flüssigkeit geben – niemals andersrum! Wird Wasser zum NaOH gegeben, ist mit einer heftigen und unkontrollierten Reaktion bis hin zur Explosion zu rechnen. Wird Natriumhydroxid mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten angerührt, entstehen giftige Dämpfe. Vermeide das Einatmen. Rühre die Lauge entweder draußen auf einer festen Unterlage ein oder in einer gut belüfteten Küche. 

Solltest du NaOH auf die Haut bekommen, spüle das Granulat auf keinen Fall mit Wasser ab, da die Kombination von Wasser und NaOH eine ätzende Reaktion auslöst. Natronlauge kann mit Säure neutralisiert werden, daher stell dir für den Notfall eine Flasche Essig oder Zitronensäure bereit. Selbst der Seifenleim ist noch ätzend, deshalb trage unbedingt Handschuhe und Brille.

Während der Reifezeit laufen im Seifenleim chemische Prozesse ab, bei denen die ätzende Natronlauge mit dem Öl reagiert. Durch diese Reaktion verbinden sich die Fette und Öle zu einer festen Seife, die alle gefährlichen Eigenschaften des ursprünglich verwendeten Ätznatrons abgelegt hat. 

Anleitung zum Seifesieden

Ich empfehle dir für den Anfang ein einfaches und günstiges Seifenrezept, das halb aus festen und flüssigen Fetten besteht. Der Klassiker, den jeder Seifenneuling ausprobieren sollte, ist das 25er Rezept. Wenn du den Ablauf einmal verinnerlicht hast, kannst du experimentieren.

Bereite deinen Arbeitsplatz vor: für’s erste Mal empfehle ich dir die Küche. Verschaff dir dazu Platz und räume alle Lebensmittel und Geräte, die im Weg stehen zur Seite. Lege die Arbeitsfläche großzügig mit Zeitungspapier aus und sortiere alle Utensilien, die du für das die Seifenproduktion benötigst und platziere sie griffbereit. Später mit Handschuhen und Mitten im Geschehen solltest du dich nicht mit der Suche nach Utensilien oder hinderlichen Verpackungen beschäftigen müssen.

Ich beginne mit dem sorgfältigen Abwiegen der einzelnen Fette und Öle. Bedenke, dass bei Ölen – anders als bei Wasser, die Gramm und Milliliter sich unterscheiden: 100 ml entsprechen nicht 100g.

Ab jetzt solltest du unbedingt Handschuhe, Atemschutz und Schutzbrille tragen und nicht mehr ablegen, bevor der fertige Seifenleim in die Form gegossen wird. 

Zur Herstellung der NaOH-Lauge wiege ich sorgfältig destilliertes Wasser ab und fülle es in einen hohen Glas-Messbecher. Schon beim Abwiegen des NaOH arbeite ich am offenen Fenster oder unter der Dunstabzugshaube und vermeide das Einatmen der entstehenden Dämpfe. Das Natriumhydroxid reagiert sofort mit Flüssigkeit und erhitzt diese selbstständig, deshalb lasse ich das exakt abgewogene NaOH-Granulat unter Rühren mit einem langen Glasstäbchen hinzu rieseln. Ich rühre die Lauge, bis das NaOH sich komplett aufgelöst hat und lasse die Lauge an einem sicheren Ort abkühlen (z.B. im Spülbecken).

Anschließend schmelze ich die festen Fette bei geringer Wärme direkt im Topf, nehme ihn vom Herd und füge die flüssigen Fette hinzu.

Während sowohl die Lauge als auch die Öle auf ca. 30°C – 40°C abkühlen, kannst du die folgenden Arbeitsschritte vorbereiten: Duft- oder Zusatzstoffe abwiegen, Seifenform bereitstellen, etc.  

Die abgekühlte Ölmischung gieße ich in einen großen Messbecher und füge durch ein Sieb die Lauge hinzu. Mit einem Silikonkochlöffel rühre ich die Mischung gründlich um und beginne mit dem Pürierstab zunächst nur am Boden des Bechers. Im Wechsel püriere und rühre ich die Mischung behutsam per Hand. Achte unbedingt darauf, dass der Pürierstab immer unter der Oberfläche bleibt, um Spritzer zu vermeiden.

Der entstehende Seifenschleim sollte eine Puddingähnliche Konsistenz erreichen, dann kannst du ihn in die gewünschten Formen füllen. Decke die Masse in den Formen gut mit Frischhaltefolie und alten Handtüchern ab und lagere sie an einem warmen Ort. In den kommenden 24 Stunden der Ruhezeit sollte die sogenannte Gelphase einsetzen, in der sich die Inhaltsstoffe nochmals mehr mit einander binden.

Nach etwa 2 bis 3 Tagen in der Seifenform kannst du die Seife gegebenenfalls in Stücke schneiden. Ist die Seife noch zu weich, warte lieber noch oder friere sie vor dem Ausformen ein. Die fertigen Seifenstücke lagerst du am besten an einem luftigen und kühlen Ort für etwa 4 bis 6 Wochen. Seifen mit hohem Olivenölanteil brauchen noch länger. erfahrungsgemäß habe ich meine Olivenölseifen ein halbes Jahr reifen lassen.

Selbst gemachte Naturseife ist nicht so hart wie gekaufte Seife. Darum muss ein Seifenstück am Waschbecken oder Wannenrand immer gut abtrocknen können, damit es nicht zu sehr aufweicht.

Meine kleine Öl- und Fette-Sammlung und ihre Wirkung

Ich bin ein großer Freund von einfachen veganen Rezepten ohne viel Schnick Schnack. Zum Ausprobieren habe ich mir Anfangs nur wenige Öle und Fette gekauft. Eines war allerdings sicher: ich wollte Seifen auf Basis von gutem Olivenöl herzustellen und mit dem Zugeben von anderen nachhaltig angebauten Fetten und Ölen herumexperimentieren. Ich bevorzuge Olivenölseifen, denn die können jahrelang halten. Beim Kauf von Öl solltest du stets auf Lebensmittelqualität achten, da in der kosmetischen Qualität ganz legal mit anderen Ölen (häufig Sonnenblumenöl) gestreckt werden darf ohne Deklaration. Durch die Überfettung können einige Fette wie z.B. Sonnenblumenöl in der Seife ranzig werden. Bei festen Fetten und pflanzilicher Butter greife ich zu unraffinierten Bio-Produkten. 

Olivenöl

Das reine, kaltgepresste Olivenöl hat sehr viele positive Eigenschaften für die Haut: Es spendet Feuchtigkeit, ist nahezu für alle Hauttypen gut verträglich, wird sehr gut von der Haut aufgenommen, hat einen hohen Vitamin E Gehalt, kann kleine Fältchen glätten und Ekzeme abheilen. Nicht ohne Grund nutzt man im traditionellen Hamam ausschließlich Olivenölseife und auch Alepposeife erlebt hier seit Jahren bei Jung und Alt einen regelrechten Hype. Olivenölseife hat zwar eine lange Reifezeit bis sie schön fest ist, aber es lohnt sich. Sie bildet reichhaltigen, feinporigen und seidigen Schaum. 

Kokosöl

Natives Kokosöl wird aus dem frischen Fruchtfleisch der Kokosnuss oder aus Kokosmilch gewonnen und nicht weiter behandelt. Je nach Raumtemperatur ist Kokosöl flüssig, cremig oder fest. Erst ab etwa 23 Grad Celsius schmilzt es und wird flüssig. Man könnte es mit Kokosfett verwechseln, doch das findet man im Handel eigentlich nur in Form von Platten oder Würfeln, zum geschmacksneutralen Braten und Frittieren. 

Der charakteristische Duft des nativen Öls bleibt in der Seife leider nicht erhalten. Aufgrund der hohen Reinigungskraft kann ein hoher Kokosöl-Anteil in der Seife austrocknend auf die Haut wirken und sollte deshalb mit milderen Ölen kombiniert werden. Kokosöl ist reich an gesättigten Fettsäuren und wirkt antimikrobiell. Es sorgt für helle feste Seife mit großporigem Schaum. 

Sheabutter

Diese reichhaltige, gut verträgliche vegane Butter wird auch Karitébutter genannt und lässt sich bis zu 100 Prozent einsetzen. Sheabutter enthält einen hohen Anteil an Unverseifbarem und ist wegen der vielen positiven Eigenschaften besonders bei rissiger, trockener Haut und bei Neurodermitis zu empfehlen. Auch unreine Haut profitiert von den Eigenschaften der Sheabutter. Sie ergibt eine feste helle Seife mit cremigem Schaum.

Meine Lieblings-Duft-und Zusatzstoffe und ihre positiven Eigenschaften

Vielen Extrakten und Düften werden bestimmte Wirkungen nachgesagt. Als wissenschaftlich belegt gilt das nicht, aber neben einem tollen Duft geben sie deiner Seife das gewisse Extra. Mit einer handvoll Zusatzstoffe, habe ich meine ersten Seifen verfeinert.

Entspannende Lavendelblüten

Das ätherische Öl des Lavendels bereichert natürliche Kosmetikprodukte für jeden Hauttyp. Zudem ist es als entzündungshemmend bekannt, weshalb du es auch Behandlung gegen Pickel, Akne, Schuppenflechten und viele weitere Hautleiden einsetzen kannst. Ein toller Zusatz in Seifen ist auch Lavendelhydrolat, das ähnlich wie Rosenblütenwasser eigentlich ein Nebenprodukt der Herstellung ätherischer Öle ist. Lavendelblütenwasser ist ein Alleskönner in der Hautpflege und die getrockneten Blüten machen sich hübsch auf selbst gemachten Seifen.

Reinigendes T’fal

Die aus Tunesien stammende Tonerde hat durch ihre selbstständige Aufnahmefähigkeit eine hohe Reinigungswirkung. Das Naturprodukt ist reich an wichtigen Spurenelementen und Mineralien wie Silizium, Magnesium, Calcium, Natrium, Kalium, Phosphor sowie Eisen, Zink und Kieselsäure. Diese Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, beruhigend und schmerzlindernd. Damit ist Tonerde hervorragend für Allergiker geeignet. Es ist so rein, wie es in der Natur vorkommt: frei von Tensiden, chemischen Zusätzen, Parfums und Mikroplastik und kann mit Wasser angerührt oder pur deiner Seife zugefügt werden. 

Erfrischendes Verveine

Verveine habe ich erstmals in Tunesien als Tee kennengelernt. Auf Märkten sieht und riecht man überall die getrockneten silbrig-grünen Blätter. Zitronenverveine steckt voller ätherischer Öle, die für den angenehmen Duft sorgen – schon bei leichtem Reiben der Blätter verströmen sie ihr frisches Zitrusaroma. Hierzulande scheint das Kraut in Vergessenheit geraten zu sein und wird wie das botanisch verwandte Eisenkraut höchstens wegen der medizinischen Eigenschaften geschätzt: Verveine soll die Nerven stärken, Schlaf fördern, beruhigend wirken und den Stoffwechsel anregen. Es wirkt appetitanregend, magenschonend sowie verdauungsfördernd. Ich mag Verveine nicht nur als Tee oder Badezusatz, sondern auch zum Verfeinern meiner frischen Seifen.

Verwöhnende Mandelmilch

Nicht nur für eine gesunde Ernährung sondern auch für ein ebenmäßiges Hautbild ist vegane Mandelmilch unverzichtbar. Mandeln enthalten viele Mineralstoffe, sind reich an ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen. Mandeln sind ein Allround-Talent, denn neben den gesundheitsfördernden Eigenschaften sagt man Mandeln eine Anti-Aging-Wirkung nach: die Vitamine B und E versorgen die Haut mit lebenswichtigen Nährstoffen und beugen Hautveränderungen wie der erster Faltenbildung vor. Was gut schmeckt und gesund ist, kann also in der Kosmetik nicht schaden! Deine Haut wird es dir durch einen frischen, strahlenden Teint danken. 

Vitaminreiche Datteln 

Die orientalische Frucht ist der Energiespender schlechthin. Die kalorienreiche Powerfrucht steckt voller Ballaststoffen, weshalb die Dattel auch „Brot der Wüste“ genannt wird. Die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe – wie Kalium, Kalzium und Magnesium sind meines Erachtens sehr interessant in der Naturkosmetik, denn sie können unsere Haut regenerieren und festigen. Die bioaktiven Substanzen schützen vor freien Radikalen und ersten Fältchen und stärken unser Bindegewebe. Ab und an eine Gesichts-, Dekolleté- oder Haarmaske aus zerdrückter Dattel kann Wunder wirken.

Neben getrockneten Datteln lassen sich übrigens frische Obst- und Gemüsesorten in die Seifen mischen. Gurke beispielsweise sorgt für eine besonders milde Seife. Avocado wird von erfahrenen Seifensieder-Profis auch für Haarseifen verwendet.

Reifezeit von selbst gemachten Seifen 

Nach etwa 2 Tagen Ruhezeit kannst du den Küsschentest machen, d.h. du tippst kurz mit der Zunge gegen die Seife oder streichst mit einem nassen Finger über die Seife und tippst diesen dann an die Zunge. Wenn du alles richtig gemacht hast, d.h. das gesamte NaOH verseift ist, schmeckst du nur Seife. Wenn es aber stark an der Zungenspitze kribbelt, ist in der Seife noch freie Lauge vorhanden. Alternativ besorgst du dir pH-Teststeifen und testest die Seife damit. Der pH-Wert sollte bei ca. 9-10 liegen.

Sollte nach 1 Woche Ruhezeit der Küsschentest immer noch negativ sein, hast du dich evtl. beim Abwiegen der Zutaten vertan oder einfach ein Öl vergessen. Diese Seife kann nicht verwendet werden. Ein positiver Küsschentest zeigt zwar, dass die Seife nicht mehr ätzend, aber auch noch nicht fertig ist. Deine Seife solltest du mindestens 3-6 Wochen an einem trockenen Ort reifen lassen. Profis haben dafür meist einen luftigen Holzschrank. Ich lagere meine Seifen in einem dicken offenen Pappkarton, der zwischen den einzelnen Stücken mit Küchenkrepp ausgelegt ist. Während der Reifezeit wird die Seife milder, härter und der pH-Wert sinkt.

Je länger du die Seife reifen lässt, desto besser wird sie. 

Für jede Haut die richtige Seife 

Der unverseifte Fettanteil in der Seife ist in großem Maße verantwortlich für den Pflege-Grad und die Verträglichkeit deiner Seife. Zu niedrig überfettete Seife kann deine Haut angreifen und unterfettete Seife sogar zu Verätzungen führen. Deshalb ist der Fettüberschuss mit Sorgfalt bei der Berechnung der benötigten NaOH-Menge zu berücksichtigen.

Je höher die Überfettung, desto pflegender die Seife. Allerdings sind hoch überfettete Seifen auch nicht so lange haltbar. Hand- und Körperseifen sollten möglichst hoch überfettet werden – ein gängiger Fettüberschuss für normale Haut liegt bei etwa 6 bis 10%. Bei sehr trockener Haut kann die Überfettung auch höher ausfallen. Rasier- und Haarseifen werden etwas niedriger überfettet mit etwa 2 bis 5%. Reine Putzseifen werden nicht überfettet und eignen sich deshalb nicht für die Hautpflege.

Erste Inspirationen

An dieser Stelle veröffentliche ich keine vollständigen Rezepte, sondern nur ein paar Vorschläge möglicher Kombinationen zur Inspiration. Warum? Weil das Seifesieden ein wirklich sorgfältig und verantwortungsvoll vorzubereitendes Thema ist. Lies dich ein, beschäftige dich mit den Sicherheitsmaßnahmen, leg dir vernünftiges Equipment für diese Zwecke zu, überleg dir, für welchen Zweck und welche Bedürfnisse deiner Haut und Haare du welche Zutaten benötigst. 

Gesichtsseife 

Kaum etwas ist milder und pflegender als eine Kombination aus Mandelmilch und Lavendelblüten auf Basis von ½ Sheabutter und je ¼ Oliven- und Kokosöl.

Körperseife 

Unbedingt wollte ich eine Seife mit getrockneten Datteln sieden. Entstanden ist eine tolle Kombination auf Basis von ½ Olivenöl und je ¼ Sheabutter und ¼ Kokosöl.

Peelingseife 

Tonerde wirkt Wunder bei Orangenhaut oder bei Haut, die zu Unreinheiten neigt. Eine meiner ersten Seifen besteht daher etwa zu ⅔ aus Olivenöl, ½ Kokosöl und T’fal.

Handseife

Für die Hände wollte ich eine frische Seife mit hoher Reinigungskraft sieden. Entstanden ist ein Stück mit Verveine in Kombination mit ⅔ Kokos und ⅓ Olivenöl. Da Kokos bekanntlich recht austrocknend wirkt, habe ich die Überfettung hier auf 15% berechnet.

Als nächstes möchte ich endlich eine Haarseife als Shampoo-Ersatz zu sieden. Dabei möchte ich als Zusatzstoff Rosenblütenwasser verwenden.

Wenn du Fragen hast oder gern deine ersten Erfahrungen beim Seifesieden teilen möchtest, freue ich mich über eine Nachricht!

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