Kur in Korbous

„Saha el Hamam“

Nach der arabischen Eroberung gerieten die gesundheitsfördernden, heißen Quellen in Vergessenheit. Der malerische Ort Korbous ist das bekannteste tunesische Spa-Resort und liegt auf der Halbinsel Cap Bon. Erbaut am Berghang, entlang einer einzigen Straße, wurde der Ort bereits von den Römern von Karthago mit dem Boot angesteuert. Damals noch unter dem Namen „Aquae Calidae Carpitanae“, wie die vielen römischen Überreste und eine freigelegte Inschrift belegen, die im Nationalen Bardo Museum zu bewundern ist. Im 19. Jahrhundert erlebte der Ort einen erneuten Aufschwung, weil der damalige Regent Tunesiens Ahmed Bey die Quellen zur Linderung seiner Gebrechen aufsuchte und sich hier kurzerhand einen Palast bauen ließ. Ihm folgten weitere gut betuchte Tunesier und Korbous wuchs nach und nach. Mit einer Fläche von 5.000 Hektar und nur knapp über 3.500 Einwohnern liegt der zu Nabeul gehörende Kurort 60 km südlich von Tunis und ebenso weit nördlich von Hammamet entfernt. Das kleine Örtchen gewinnt auch wegen seiner Lage am Meer stetig an Beliebtheit.

Etwas abenteuerlich gestaltet sich die serpentinenreiche Fahrt dorthin: Die Straße, die zu dem Kurort führt, verläuft entlang einer Steilküste. Korbous schmiegt sich mit seinen weißen Häusern an eine Straße, die sich am Fuße eines Tals befindet, das zum Meer hin offen ist, entlang eines 8 km langen Felsvorsprungs. Entlohnt wird die steile Abfahrt bis runter an die Küste aber durch den herrlichen Blick auf die Bucht von Tunis. Die Straßen werden noch enger, je näher man dem Zentrum von Korbous kommt. Es besteht die Möglichkeit, schon vorher an der Küste, etwas außerhalb des Ortes zu parken und von dort zu Fuß zu laufen. Die Häuser ziehen sich den Hügel „Djebel Korbous“ hinauf, auf dem die frühere pompöse Villa des ersten tunesischen Präsidenten Habib Bouguiba über allem in diesem Heilbad thront. Die heißen Quellen von Korbous inmitten von Wäldern und Bergen, die dem Meer zugewandt sind, haben eine nachweislich heilsame Wirkung, was sie zu den berühmtesten in Tunesien macht. 

Die heißen Quellen helfen, so manche Beschwerden der Großstädter aus Tunis und Umgebung zu lindern und Krankheiten zu heilen. Neben Sodium-Chlorid enthält das bis zu 60° Grad Celsius heiße Wasser Schwefel und Kalzium. Auch Trinkkuren, zum Beispiel am Brunnentempel direkt am Meer, sind möglich. Der ehemalige Palast der Beys von Tunesien und ihrer Familien in Korbous wurde restauriert und zu einem Hotel und Kurzentrum umgebaut, in dem Asthma, Rheuma, Arthritis, Bandscheibenvorfälle, Osteoporose und einige Hautkrankheiten sowie bestimmte Störungen des Nervensystems mit therapeutisch wirksamen Bädern und Thermalwasser behandelt werden.

Die sieben Quellen, in deren Nähe überall gedrungene Kamine dampfen, heißen: Aïn Sbia, Aïn El Fakroun, Aïn Kébira, Aïn Kallasira, Aïn Chefah, Aïn Oktor und Aïn Arraka. Das „Aïn“ begegnet uns übrigens oft in der arabischen Sprache und bedeutet „Auge“. Die größte Quelle ist Aïn Kébira, was wortwörtlich also soviel wie „großes Auge“ bedeutet.

In der Nähe des Hotels „Des Thermes“ soll sich der sogenannte Zerziha-Stein befinden, der lange ein beliebtes Ziel junger Frauen mit Kinderwunsch war. Eine alte Sage verspricht derjenigen, die den Mut hat, hier hinunter zu rutschen, ihren Traum vom Nachwuchs zu erfüllen. Leider existiert nur eine durchgehende, aber nicht mehr befahrbare Straße, die bei jedem Regen etwas mehr abrutscht. Trotz Neugier, wie dieser besagte Felsen aussieht, ist es uns zu Fuß zu heikel, dem Weg an den engsten Stellen weiter zu folgen.

Am Ufer entlang erreicht man nach 2 km die Quelle Aïn Atrous. Das heiße Wasser stürzt die Felsen, durch eine Reihe künstlich angelegten Becken hinunter, bevor es dampfend ins Meer fällt. Auch ohne körperliche Beschwerden ist es ein herrliches Erlebnis, im Aïn Atrous zu schwimmen und die schöne Aussicht auf den Berghang und das runterlaufende heiße Wasser zu genießen. Wir hatten das Glück, früh genug hier zu sein, um die Terrasse einen kurzen Moment ganz für uns allein zu haben.

Hier tummeln sich besonders am Nachmittag Familien im Schwefeldampf und bilden einen zunächst eigenartigen Anblick: Am gesamten Körper mit T’fal – der mineralhaltigen Schlammmaske bedeckt – sitzt man an den Becken und wartet, bis die Tonerde am Körper trocknet. Anschließend klettert man hinab ins Meer, wo man selbst bei kalten Außentemperaturen gut schwimmen kann, da das heiße Quellwasser das Meer nahe der felsigen Klippen erwärmt. Für den nächsten Besuch nehmen wir uns das auch vor, doch heute möchten wir in Korbous ein Hamam besuchen.

Da der Hamambesuch stets nach Geschlechtern getrennt ist, haben Tag um Tag an der Quelle Aïn Arraka im Wechsel mal die Damen und Herren Zugang zu einer naturbelassenen, dunklen Höhle. Diese hat eine direkte unterirdische Verbindung zur Quelle. Ist hier Damentag, baden die Herren derweil in einem anderen Gebäude in – ebenfalls mit heißem Quellwasser gefüllten – künstlich angelegten Becken. Doch wer meint, hier wartet eine attraktive Wellness-Oase, mit feinen mosaikverzierten Wänden und Bänken, irrt sich. Ich habe das Glück, in dem naturbelassenen Teil meinen Hamambesuch zu verbringen. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen und erlebt: es ist zwar ein wenig unheimlich, aber dafür auch einzigartig authentisch – je tiefer ich den Gängen nach unten folge, desto mehr muss ich auch den Kopf einziehen. Mühsam versuche ich im Dunkeln zu erkennen, wohin ich trete oder ob sich vor mir irgendwo noch eine Stufe befindet. Nur ein paar Glühbirnen spenden wenig Licht. Für klaustrophobisch veranlagte Menschen ist das hier definitiv nicht zu empfehlen. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperatur treiben mir den Schweiß auf die Stirn. Ein paar Frauen deuten mir an, in einen schmalen Gang hinein zu krabbeln.

Und dann hocke ich plötzlich vor einem großen schwarzen Nichts: Vor mir liegt ein Höhle, die gleichzeitig ein großes steiniges Becken bildet und gefüllt ist mit kochend heißem Wasser. Von der Decke hängt wieder nur eine Glühbirne – wirklich viel sehen, zum Beispiel, ob das Wasser tief ist – kann man allerdings nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich zwar gut schwimmen kann, aber kein Freund von Gewässern bin, in denen ich nicht den Boden sehen kann. Egal – es soll ja gesund sein, also nehme ich allen Mut zusammen! Mittlerweile sind mir 5 weitere Frauen in diesen Gang gefolgt und hocken um mich herum; jetzt komme ich hier eh nicht mehr raus. Ich taste mich also weiter vor und berühre mit der linken Hand das Wasser. Da ist es auch schon passiert: Ich verbrenne mir die Finger und möchte nun eigentlich doch den Rückzug antreten. Wie soll ich denn bitte komplett in so heißes Wasser klettern?

Doch die Frauen ermutigen mich, es noch einmal zu versuchen: Ich solle „Bismillah“ sagen und mit Rechts voran ins Becken klettern. Eine von ihnen schiebt sich an mir vorbei und zeigt mir, wie es geht. Die anderen stimmen derweil wie in Trance eine Art Bittgesang an. Während sich also die eine Dame bereits in der kochend heißen Brühe befindet, starte ich einen erneuten Versuch, mache es ihr nach und siehe da: bis zum Hals finde ich mich kurz darauf ebenfalls in diesem Becken. Wie ein dampfender, schwarzer Spiegel hüllt mich das heiße Wasser ein. Ich sehe nicht einmal mehr meine Hände, die mich unter der Wasseroberfläche in Balance halten. Stehen kann ich hier nicht. Nach ein paar Minuten verlasse ich das Becken und staune über dieses Erlebnis … und über mich selbst. Nach dem Hamambesuch begleitet mich noch ewig ein hoch roter Kopf. Ich glühe innerlich, aber mir geht es wirklich gut. Was mich allerdings am meisten beeindruckt sind meine Brandblasen an der linken Hand. Nur an der linken Hand

Ich bin ganz aufgeregt, Raja von diesem Abenteuer in der Höhle zu berichten. Also tanken wir im Cafe/Restaurant Chalet bei einem gemütlichen Abendessen mit herrlicher Aussicht neue Kraft und genießen den Blick über das Kurörtchen Korbous.

Der Kellner berichtet uns von der Quelle Aïn Oktor. Bevor wir für heute den Heimweg antreten, rät er uns, die Quelle etwa 3 km von Korbous entfernt zu besuchen. An der steilen, roten Felsküste liegt sogar eine kleine Mineralwasserstation als Erfrischungsbar. An der dazugehörigen Abfüllanlage werden jeden Tag etwa 10.000 Flaschen produziert

Wie herrlich Tunesiens Landschaften und vor allem wie facettenreich die Natur in dieser Region ist, dokumentiert der tunesische Blogger Rabii Ben Brahim des Öfteren in wunderbarer Weise. Auf Weidepfaden örtlicher Ziegenherden kann man einen ausgiebigen Spaziergang durch Pinien- und Eukalyptuswälder unternehmen. Erfahrene Wanderer erwartet nach einem etwa 2 stündigen Aufstieg ohne gekennzeichnete Pfade vom 400 Meter hohen Felsen Le Bec de l’Aigle, ein herrlicher Panoramablick. Bei schönem Wetter sieht man im Osten den Golf von Tunis und Karthago, das malerische Dorf Sidi Bou Saïd und im Westen das Cap Bon. Den vom Wind über die Jahrzehnte geformten Felsen Le Bec de l’Aigle, nennt man aufgrund der markanten Optik auch Adlerschnabel. Da der Fels insgesamt recht große Poren aufweist, besagt eine Legende, dass in diesem Wabenmuster Riesenbienen lebten. Den Backpacker-Tripp nach Korbous hat Rabii in folgendem Video festgehalten:

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