Orientalisches Superfood: die Dattel

Die Dattelpalme muss mit dem Fuß im Wasser und mit dem Kopf in den Flammen stehen.

Arabisches Sprichwort

Wir sind auf einem Wochenmarkt im Süden Tunesiens. Kleine Esel klappern in schnellem Stakkato, beladen mit Säcken und Strohkörben; andere tragen Beine winkende Gestalten in braunen Kapuzenmänteln, die durch ständiges Schnalzen ihr Tier in Trab halten. Mit etwas Glück ziehen auch mit weit ausholenden, schwingenden Schritten Kamele an uns vorbei. 

Gewebte Tücher, Burnusse, bunt bemalte Hochzeitstruhen und rustikaler Silberschmuck – da liegt alles, was die Tragetiere in den geflochtenen Packtaschen herangeschleppt haben: daneben Gerste, Kichererbsen für den heimischen Couscous, Halfamatten und Teppiche. Lange und ausdauernd wird hier gehandelt und gefeilscht. Getreidekörner gleiten durch prüfende Hände, Tonkrüge werden bedächtig abgeklopft, Gewürze und Früchte beschnuppert und probiert.

Nach wie vor gelten Datteln als Schatz der südlichen Oasen, in Trauben hängen sie aufgefädelt zum Verkauf aus.

Datteln haben ein sehr süßes, eher trockenes Fruchtfleisch, das von einer dünnen, ledrigen Haut umhüllt ist. Die Frucht sättigt und schmeckt honigsüß. Sie verdanken ihren Namen „Brot der Wüste“ bestimmt der Tatsache, dass sie reich an Zucker und dementsprechend Kalorien. 

Während man früher die getrockneten Früchte zu medizinischen Zwecken verwendete, ist die Dattel insbesondere bei Veganern ein gängiges und vielseitig einsetzbares Süßungsmittel. Aus getrockneten Datteln lässt sich Mehl herstellen. Der sogenannte Dattelhonig ist im Prinzip Püree aus weichen Früchten. Außerdem werden die süßen Datteln zu Sirup und Paste verarbeitet, um Süßspeisen und Gebäck jeder Art zu verfeinern.

Herkunft der Dattel 

Heimisch ist die Dattelpalme im Orient und der Anbau lässt einige Jahrtausende zurückverfolgen. Heute wachsen die goldenen Früchte in weiten Gebieten von Nordafrika bis Pakistan. Neben Ägypten, Iran und Saudi-Arabien, importiert Deutschland tatsächlich überwiegend aus Tunesien. Nur Früchte bester Qualität gelangen in den Export.

Wer durch Tunesien reist, die Gegenden besucht, wo Granatapfel- und Feigenbäume ebenso wachsen wie Korkeichen und Pappeln, die Steppen voller  Alpha Gras, dunkler Olivenhainen, Orangenplantagen und Palmenwälder entdeckt, sowie die Dünen der Sahara sieht, erkennt wie reich an Landschaft, Kultur und natürlicher Schätze dieses kleine Land ist.

Das heutige Tunesien geht seinen eigenen Weg in der Entwicklung der Agrarwirtschaft, die für die gesamte Bevölkerung eine der wichtigsten Grundlagen darstellt.

Das wüstenhafte Süd Tunesien, in dem die Wasserarmut Landschaft und Leben entscheidend bestimmt, beginnt im Bergland um Gafsa. Die große Trockenheit lässt nur eine Konzentration der Siedlungen zu; es bilden sich Oasen.

Allein Douz hat 200.000 Dattelpalmen und 30.000 Einwohner. In befragen kommen sogar auf 14.000 bewohnen rund 350.000 Dattelpalme. Etwa 500.000 Palmen stehen auf Kerkennah, einer Inselgruppe, die teilweise nicht mal auf Karten von gängigen Reiseführern auftaucht. 

Früchte des Paradieses

Der Überlieferung nach gilt die Dattel als sehr segenreiche und heilbringende Frucht. Im Islam hat die goldene Frucht eine besondere Bedeutung. Während des Ramadans brechen Muslime ihr Fasten nach Sonnenuntergang traditionell mit einer Dattel und einem Glas Wasser, denn so soll es vom Propheten Mohammed empfohlen worden sein. Zudem isst man stets ungerade Anzahl der Steinfrucht. Mohammed selbst soll Dattelpalmen gepflanzt und Muslime dazu ermuntert haben, die nahrhaften Früchte anzubauen.

Es ist ein Brauch bei muslimischen Eltern, ihrem Neugeborenen ein Stück gut zerkaute Dattel in den Mund zu legen. Dies tun sie, zum einen um den Handlungsweisen des Propheten Muhammad folgen und zum anderen auch im Koran die heilende Wirkung beschrieben und der besondere Wert der Frucht des Orients steht. Es soll die Schmerzempfindlichkeit und die Herzfrequenz reduzieren, doch dazu später mehr. 

1.001 Dattelsorten

Dattelpalmen bringen die Wüste buchstäblich zum Blühen, denn in Oasen sorgen sie für die bestmögliche Bewirtschaftung des ursprünglich sehr trockenen und sandigen Bodens. Zu ihren Füßen der bis zu 30 Meter hohen Palmen entsteht ein Mikroklima, das den Anbau weiterer Pflanzen möglich macht. Als Schattenspender und Windfang schützen sie die alles, was zwischen ihnen wächst und die Oasenbewohner nährt. Sie kommen mit verhältnismäßig wenig Wasser aus und schützen zudem die Oase vor Schäden durch Wind und Wetter.

Die Dattelpalme fühlt sich im warmen und sonnigen Klima wohl, braucht aber vor allem im Sommer viel Wasser. Ihre Wedel schützen hoch oben die Früchte vor der hitze und Wind.

In Tunesien werden Datteln nach traditionellen Methoden angebaut, geerntet und verarbeitet. Das erste Klettern auf die Palmen findet zu Anfang des Datteljahres statt, um die hohen Bäume von trockenen Überresten der vergangenen Saison zu befreien müssen, zum Beispiel von abgestorbenen Palmwedeln. Als Dattelbauer muss man unbedingt schwindelfrei sein, denn für die Befruchtung, Pflege und Ernte klettert man mindestens ein dutzend Male auf jede Palme. Ja, du hast richtig gelesen: Befruchtung! Tatsächlich haben wir uns in Tunesien erklären lassen, dass es Palmen mit ausschließlich männlichen Dattelpollen und ebenso Palmen mit reinen weiblichen Dattelblüten gibt, die Früchte bilden können. Normalerweise bestäuben Wind, Bienen oder andere Insekten die weiblichen Blüten. Durch die manuelle, künstliche Bestäubung erhöhen die Bauen beispielsweise in Touzour ihren Ertrag um ein Vielfaches. 

Bereits vor Jahrtausenden erkannte man hier, dass die Dattelernte reicher ausfällt, wenn der Pollen künstlich in die Nähe der weiblichen Blüten gebracht wird. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Wasser und Platz – allesamt kostbare Ressourcen, insbesondere für weibliche Palmen. Heute ist in den Palmenhainen ein Verhältnis von einer männlichen auf 50 weibliche Palmen üblich. Joa! 😉

Die Dattelbauern klettern gekonnt mit einem Beutelchen voller männlicher Blütenstränge in die Krone der Palme und binden etwa zwei bis drei zwischen die weiblichen und schütteln etwas Pollen die verbundenen Sträußchen. Ziel ist es dabei, etwa 60 bis 70 Prozent der Blüten auf diese Art zu bestäuben. Einige Bauern müssen Pollen zukaufen, was kein Problem ist, da der trockene Blütenstaub sehr haltbar und mehrere Jahre lang „zeugungsfähig“ ist. Schon seit Jahrtausenden waren die Dattelpollen ein lukratives Handelsgut. 

Die tunesischen Oasen sind meistens auf festen Straßen oder wenigstens holprigen Pisten erreichbar, seltener im Abenteuer einer Fahrt über trügerischen Sand. Die Wüste wurde hier bereits von Menschen gezähmt. Die Oasen sind erschlossen und – von Touristenbussen angesteuert – ihrer Abgeschiedenheit beraubt. Dennoch haben sie ihren ursprünglichen Charakter bewahren können und nach wie vor dreht sich alles um das Element Wasser. Es ist rar, entspringt den Quellen, kommt aus einem Flusslauf oder aus Brunnen und muss so verteilt werden, dass es für das Wachstum den größtmöglichen Effekt hat: gewöhnlich sind es vor allem Dattelpalmen und Obstbäume, die der Bewässerung ihr Dasein und ihre Früchte verdanken. 

Schon vor Jahrhunderten wurden in den Oasen die Prinzipien der Wasserverteilung umsichtig festgelegt. Ibn Charta tüftelte einst ein System aus, mit dem das Quellwasser die Gärten großflächig bewässerte.  Bis heute darf niemand eigenmächtig etwas daran ändern. Das Wasser fließt in den so genannten seguidas durch die Gartenanlagen, jedes noch so geringe Gefälle wird ausgenutzt, damit das Wasser jeden Winkel der Oase benutzen kann. So stoßen Sonne und Wasser zusammen um den Oasen eine reiche Fruchtbarkeit zu sichern; die Palmen ganz oben, darunter in stufenförmiger und wohl bedacht er an Ordnung Obstbäume und im Erdgeschoss Gemüse und Tabak diese Etagen Kultur krönend, reifen ganz oben jene Datteln, die als „Finger des Lichts“ Spitzenqualität haben.

Die Ernte der Datteln

Je nach Reifegrad der goldenen Früchte werden vier Stufen nach ihren arabischen Bezeichnungen unterschieden:  unreif “kimri”,  groß und hart “chalal”,  reif und weich “rutab”, reif und in der Sonne getrocknet “tamr”. Die Ernte fängt im Herbst an und endet etwa zu Anfang des kommenden Jahr. Für die Bauern ist das selbstverständlich immer mit einem Fest verbunden. Nach etwa fünf bis sechs Monaten sind die Früchte reif, die sich botanisch eigentlich den Beeren zuordnen lassen. Reife Datteln können bis zu 7 cm lang werden und haben je nach Sorte eine eine hell- bis dunkelbraune, manchmal auch goldgelb oder leuchtend rote Färbung. Eine Palme kann bis zu 100 Kilogramm Datteln liefern, dies geschieht aber in der Regel nur alle zwei Jahre. Dann klettern die die saisonal beschäftigten Nomaden die letzten Male innerhalb der Saison auf ihr Palmen und lassen behutsam an langen Seilen die Traubenähnlichen Stauden voller reifer Früchte zu Boden. Als Entlohnung erhalten diese Anteile der Ernte nach einer bereits seit Jahrhunderten geltenden Staffelung.

Export in über 80 Länder weltweit

Tunesien versorgt zahlreiche Länder quer über den Globus. Ezzedine Chalghef, Generaldirektor für landwirtschaftliche Produktion am Ministerium für Landwirtschaft, Wasserressourcen und Fischerei gab an, dass es Tunesien in der Saison 2018/2019 gelang, 120.000 Tonnen Datteln im Wert von 863 Millionen Dinar zu exportieren. Unter den Hauptregionen, die Datteln produzieren, führt Kebili die Liste an, gefolgt von Tozeur, Gafsa und Gabes. Die Sorte Deglet Ennour, zu Deutsch „Finger des Lichts“.  macht dabei neben anderen Sorten 80% der tunesischen Produktion aus. Hält man die Frucht gegen die Sonne, kann man durch das Fruchtfleisch hindurch den Kern sehen.

Nur 20 % der Ernte kommen in Spitzenqualität als Rispen-Datteln auf den Markt. Der restliche Ertrag wird sortiert, verlesen, entkernt und weiterverarbeitet. Das Entfernen der Kerne wird nicht etwa mit einer Maschine, sondern traditionell in Handarbeit von den Frauen der Bauernfamilien erledigt.

Datteln sind gesund

Schon drei Datteln täglich tun der Gesundheit und dem Wohlbefinden gut. 

Datteln als Energielieferant

Ballaststoffe, Mineralstoffe sowie B-Vitamine machen die Dattel trotz des hohen Kaloriengehalts zu einem gesunden, süßen Snack. Aufgrund des hohen Eiweißgehalts zählt die Dattel im Maghreb und arabischen Raum zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. 

Datteln sind gut fürs Herz

Besonders der hohe Kalium-Gehalt wirkt sich positiv auf dein das Herz-Kreislauf-System aus, weil es gefäßerweiternd ist und so den Blutdruck auf natürliche Weise reguliert.

Datteln regen den Stoffwechsel an

Eisen ist maßgeblicher Nährstoff für dein Blut. Als Bestandteil der roten Blutkörperchen sorgt es für die Blutbildung und den Sauerstoff-Transport in die Zellen sowie für weitere Prozesse wie einen guten Stoffwechsel. 

Datteln sind gut für Schwangere

Datteln können die natürliche Geburt erleichtern, indem werdende Mütter in den letzten Wochen der Schwangerschaft regelmäßig Datteln verzehren. Im Rahmen einer Studie einer jordanischen Universität aßen Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche regelmäßig Datteln und hatten im Vergleich eine deutlich größere Muttermundweite und weniger spontane Wehen. Es wurde weniger Medikation zur Wehenunterstützung benötigt und auch die Dauer der Wehen war wesentlich geringer. Und auch im Koran ist dieses Thema beschrieben Die Wehen ließen sie zum Palmenstamm gehen. Sie sagte: „O wäre ich doch zuvor gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!“ […] Und schüttle zu dir den Palmenstamm, so lässt er frische, reife Datteln auf dich herabfallen. So iss und trink und sei frohen Mutes.“ (Sure 19;23-26)

Datteln als natürliches Antidepressivum

Datteln sorgen für bessere Laune, denn das enthaltene Vitamin B6 hilft deinem Körper, die Hormone Serotonin und Noradrenalin zu produzieren, die dein Stresslevel  senken können. 

Datteln sind gut für starke Knochen

Datteln kräftigen die Knochen, da sie reich an Bor, einem chemischen Element sind, welches die Knochenstärke fördert. Aber auch Phosphor, Kalzium und Magnesium wirken sich positiv auf deine Knochengesundheit aus und können beugen Krankheiten wie Osteoporose vorbeugen.

Datteln unterstützen deine Diät

Die fingergroßen Früchte können dir in Maßen beim Abnehmen helfen, denn ihre Antioxidantien regen die Verdauung und den Stoffwechsel an. Datteln halten recht lange satt, verlangsamen den Anstieg des Blutzuckerspiegels und verhindern Heißhungerattacken. 

Datteln fördern deine Verdauung

Damit unser Verdauungssystem funktioniert, benötigt es Ballaststoffe, die zuhauf in Datteln stecken und dabei helfen, Nahrung optimal zu verdauen. Auf Grund der enthaltenen Antioxidantien, regen sie nicht nur den Stoffwechsel sondern auch die Verdauung an und aktivieren die Darmtätigkeit. Außerdem sind die Antioxidantien besonders wertvoll für die Darmflora.

Datteln beruhigen

Die Dattel gibt Power für den Tag, kann aber ebenso den Schlaf positiv fördern. In Tunesien ist man überzeugt, ein paar Datteln vorm Zubettgehen wirken gegen Schlafprobleme. Das ist zurückzuführen auf die enthaltene Aminosäure Tryptophan. Das sorgt im Körper nämlich für die Bildung des Hormons Melatonin.

Datteln sind reich an wertvollen Basen

Wichtige Basis für unsere Gesundheit ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt. Übersäuerung des Körpers bietet vielen Krankheiten wie beispielsweise Krebs einen optimalen Nährboden. Die gesunden Datteln zählen zu den basischsten Lebensmitteln und beweisen mal wieder, dass sie zurecht ein Superfood sind. 

Datteln gegen Entzündungen

Der Dattel werden Heilwirkungen nachgesagt: So wird sie gegen Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute und auch generell gegen Halsschmerzen verwendet.

Datteln für die Hautpflege

Die Dattel, Symbolfrucht der Oasen des tunesischen Südens, hat regenerierende und nährende Eigenschaften, spendet der Haut Feuchtigkeit und macht die Hautstruktur weicher. Aus Datteln zubereitete Gesichtsmasken machen die Haut sanft wie Seide.

Lagerung von Datteln

Achte beim Kauf von Datteln bitte unbedingt auf Bio-Qualität. Ich kaufe Datteln am liebsten im arabischen Supermarkt, schließlich kaufen hier viele Kunden die Früchte des Orients. Die meisten Supermäkrte führen in der Obst- und Gemüse-Abteilung kleine verschweißte durchsichtige Verpackungen mit in zwei Reihen drapierte,  glänzender Datteln. Lass dir gesagt sein: Finger weg! Diese Datteln sind in der Regel nicht nur von schlechter Qualität, sie sind zudem auch meist extra gefettet und gezuckert, um sie länger haltbar zu machen. Absolut unnötig! Wer von euch mal gute Datteln wie die Sorten Deglet el Nour oder Medjoul probiert hat, ist schnell überzeugt, wie eine Dattel zu schmecken hat. Frische Datteln solltest du unbedingt gründlich waschen und danach im Kühlschrank lagern. Getrocknete Datteln lassen sich bis zu einem Jahr im Kühlschrank aufbewahren.

Schnelle PralinenAuch wenn Raja keine Datteln mag, haben wir immer ein Paket im Kühlschrank. Sie lassen sich nicht nur super easy ins Müsli oder den Smoothie schmeißen, sondern auch ganz schnell und unkompliziert zu Pralinen umwandeln. Dafür schneide ich sie auf, entferne den Kern und fülle sie mit Mandeln, Walnüssen oder Marzipan. Das sieht nicht nur nett aus, wenn Besuch kommt, so sind sind immer ein nettes selbstgemachtes Mitbringsel.

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